Über die Kuppelkrippe
Die Liebe zum Detail und dennoch vereinfachte Formen, die souveräne Handhabung der künstlerischen Technik, Phantasie und Humor, kurz: eine hohe Originalität zeichnet die Kuppelkrippe aus.
Sie wurde mit dem Förderpreis der Dannerstiftung, dem Lukas-Förderpreis für die zeitgenössische Darstellung des Weihnachtsgeschehens des Krippenmuseums Mindelheim und dem Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis ausgezeichnet. Sie ist als Design und Marke beim deutschen Patentamt München eingetragen.
Hier scheint sich etwas zuzutragen, was alle in seinen Bann zieht…
In dieser kuppelartig aufgebauten Figurengruppe scheint sich etwas zuzutragen, was alle Umstehenden in seinen Bann zieht. Genau wie die einzelnen Figuren verspürt der Betrachter das Verlangen, das unter dieser Kuppel Ver- und Geborgene zu erkunden. Man fühlt sich angezogen von dem nicht sichtbaren Zentrum. Man geht um die dicht gedrängt stehenden Figuren herum und sucht nach der Möglichkeit, einen Blick in das Innere zu erhaschen. Neugierig möchte man als Betrachter die Mitte erleben. Doch die Hauptperson, auf die sich alles konzentriert, bleibt unsichtbar und ist dennoch unglaublich präsent.
Man könnte in der Kuppel auch eine Krone sehen, die – als Symbol der Herrschaft – die Macht und die Würde des Neugeborenen zum Ausdruck bringt. Andererseits bergen die Figuren ein schutzloses Kind in ihrer Mitte. Die Geburt Jesu wird hier nicht in herkömmlicher, vertrauter Weise dargestellt, sondern in einer neuen Interpretation, deren herzliche Liebenswürdigkeit ihren Betrachter sogleich einnimmt. Die Idee der Anziehung und Geborgenheit zur Darstellung des Weihnachtsgeschehens wurde konsequent umgesetzt.
Ihr Humor zeigt sich in vielen kleinen Details, die der Betrachter beim Umgehen der „Kuppel“ nach und nach entdecken kann. Die formale Geschlossenheit der Komposition wirkt angenehm und zeugt von sicherem Gespür für Formen und Proportionen, dadurch wurde der Weihnachtsgeschichte stilsicher zu einer zeitgenössischen und fröhlichen Interpretation verholfen. Angesichts der Reduktion auf einfache Grundformen ist die „Kuppelkrippe“ im besten Sinne zeitgemäß.
Friederike Haber M.A. - Leiterin des schwäbischen Krippenmuseums
“(…) die moderne Krippendarstellung der jungen Künstlerin Sabine Ackstaller. Sie nennt ihr Kunstwerk „Kuppelkrippe“ und denkt dabei zugleich die Idee der Kuppel zu Ende. Denn hier schließt sich der Halbkreis ganz und gar über dem Weihnachtsgeschehen, ohne durch ein „Kuppelauge“ Einblick ins Innere zu gewähren. Wir überblicken die Szenerie und bleiben dennoch ‚ungestillt‘, ja mehr noch: Angesichts der dicht gedrängten Rücken von Mensch und Tier, Groß und Klein, Stark und Schwach wächst auch unsere Sehnsucht, durch einen winzigen Spalt wie durchs Schlüsselloch zu schauen, um einen Moment lang des Weihnachtswunders gewärtig zu werden.
Dabei ahnen wir sehr wohl die Wirkung, die die unsichtbare Mitte auf die Umstehenden hat. Die gelassen nach hinten abgelegten Arme sowie die vertrauensvoll nach dem Hals des nebenstehenden Stieres tastenden Hand eines Kindes machen deutlich, dass Ellenbogenverhalten und aggressive Machtausübung hier keinen Platz haben. Vielmehr treten in der Intimität des Tête-à-Tête alle Gegensätze und Unterschiede zurück, ja sie werden für diesen Augenblick der reinen Schau völlig aufgehoben. Einzig die Haartracht und manche Kopfbedeckung erzählen von Herkunft und Stand der ganz in die Betrachtung Versunkenen… Ist das nicht ein wunderbares Bild für das, was Christsein ausmacht? (…).“
Dr. Bertram Meier - Bischof von Augsburg
“ (…) Das Geheimnis von Weihnachten zeigt sich hier. (…) Es ist schwer zu begreifen, nicht zu erklären mit schlauen Worten, wenn man draußen stehen bleibt und es nicht selbst mit eigenen Augen sehen kann und im sein Herz dafür öffnet. Erst dann, wenn ich mich dafür öffne, neugierig bin, mich darauf einlasse, dort an der Krippe zu stehen, dann kann ich es vielleicht erahnen. Das Geheimnis von Weihnachten
Mit diesem mutigen Detail, Jesus eben gerade nicht zu zeigen, eröffnet uns die Künstlerin so die erstaunliche Möglichkeit, wahrhaftig wahrnehmend hinzuschauen, hinzuspüren und innerlich zu sehen - Wir erkennen dann unmittelbar, was wir mit unseren Augen nicht sehen können: das, wofür wir oft keine Worte und keine Bilder haben.
Jede und jeder darf sich seine eigene Vorstellung machen - und doch ist es eine uns einigende und verbindende Vorstellung. Wir können ahnen, spüren, erfahren, wissen: dort - in diesem Zentrum ist ein Geheimnis und ein Wunder zugleich. Es ist nichts starres, fixiertes, festgeschriebenes sondern es findet statt! Unaufhörlich.
Das Verbindende zeigt sich auch in der Darstellung so deutlich. Alle kommen zusammen – Tier und Mensch, Kinder und Erwachsene, Mann und Frau, Alt und Jung, Reich und Arm – hier gibt es nichts, was trennt oder ausschließt – alle sind im Betrachten des Kindes verbunden – die Mitte, Jesus ist das Verbindende und bindet alle in einer Gemeinschaft zusammen. Man spürt die Innigkeit und Freundschaft, die Nähe und Vertrautheit – alle umarmen sich, stützen sich aneinander ab. (…)”
Rosemarie Rother - Pfarrerin der Evang.-Luth. Kirche Rosenheim